Nomen est omen

"Nomen est omen" - Der Namen ist ein Zeichen

Vom 21. September 2008

Diese lateinische Aussage wird im Westen meist scherzhaft gebraucht, um darauf hinzuweisen, dass der Name eine Person oder ein Objekt zutreffend, zum Teil auch auf eine lustige Art charakterisiert. In dieser Aussage sieht jedoch die alt-indische oder vedische Kultur eine ganze Menge Wahrheit und auch Weisheit.

Der Name gilt in dieser Klang-Kultur als das erste bedeutsame Mantra im Leben eines jeden. Sowie ein Mantra die Formel der kosmischen Gesetze und Archetypen darstellt, so stellt auch der Name einer Person ein Informations- und Energiefeld, dass einerseits die Bewusstseinsentwicklung der erneut inkarnierten Seele und ihren Charakter widerspiegelt, andererseits das Leben des Betreffenden stark beeinflusst. Den Namen auszurufen bedeutet, dem Betreffenden diesem Namen entsprechende Energie, Botschaft bzw. Bedeutung zuzuschicken.

Aus diesem Grunde wählen die Nachfolger der vedischen Kultur im Osten und Westen recht behutsam den passenden Namen für Ihren Sprössling.

Unter einem „passenden“ Namen wird dabei ein solcher verstanden, der dem Wesen des Kindes am besten entspricht. Grundsätzlich unterscheiden wir von zwei Methoden der Namenswahl:

1. Der Name im Einklang mit dem Mond-Fixstern (Janma-Nakshatra)
2. Der Name im Einklang mit der Lebensaufgabe oder besonderen kosmischen Potenzialen

In beiden Fällen ist das Wissen eines Astrologen gefragt.

Die erste Methode der Namenswahl gründet an Stellung des Mondes in einem der 27 Fixsterne. Der Mond repräsentiert die Psyche einer Person, ihre Wahrnehmung der Welt und des Lebens sowie ihre spontane, instinktive Reaktion auf diese. Der Fixstern in dem sich der Mond befindet gibt aufschlussreiche Informationen über die mentale Entwicklung eines Menschens und prägt seinen Charakter sehr stark. Die Bedeutung dieses Fixsternes ist sehr groß, denn nach ihm richten sich die Lebensphase mit ihren individuellen Qualität und Länge, und nach ihm richten sich die späteren Berechnungen für den Beginn fruchtbarer und erfolgreicher Unterfangen.

Jedem Fixstern ist dabei ein bestimmter Laut zugeordnet, der mit ihr in Harmonie schwingt. In der unteren Tabelle sind die deutschen entsprechenden Lauten aufgeführt:

Nakshatra

Lauten

Ashwini

tschu, tsche, tscho, la

Bharani

li, lu, le, lo

Krittika

a, i, u, e

Rohini

o, wa, wi, wo

Mrigashira

we, wo, ka, ke

Ardra

ku, ga, j, dsch

Punarvasu

ke, ko, ha, hi

Pushya

hu, ho, he, da

Ashlesha

di, du, de, do

Magha

ma, mi, mu, me

Purvaphalguni

mo, ta, ti, tu

Uttaraphalguni

te, to, pa, pi

Hasta

pu, scha, na, tha

Chitra

pe, po, ra, ri

Swati

ru, re, ra, ta

Vishaka

ti, tu, te, to

Anuradha

na, ni, nu, ne

Jyestha

no, ja, ji, ju

Mula

je, jo, ba, bi

Purvashadha

bu, da(a), ba, da

Uttarashadha

be, bo, ja, ji

Shravana

ju, je, jo, ga

Dhanistha

ga, gi, gu, ge

Shatabhisha

go, sa, si, su

Purvabhadra

se, so, da, di

Uttarabhadra

du, ta, y

Revati

de, do, cha, chi


Wurde ein Kind z.B. in der Zeit geboren, als der Mond sich im Fixstern Anuradha aufhielte, wären die Namen passend, die auf Lauten Na (Natalie), Ni (Nico), Nu oder Ne (Nero) anfangen. Hier kann auch das Pada (Viertel) des Fixsternes berücksichtigt werden, um den genau passenden Laut zu ermitteln.

Diese Methode schränkt die Namenswahl sehr ein. In manchen Sprachen mag es auch keine (schönen) Namen geben, die auf die vorgeschlagenen Lauten anfangen. Auch deshalb ist die zweite Methode der Namenswahl wesentlich besser.

Bei dieser legt der Astrologe besonderen Wert auf die Benennung besonderer Fähigkeiten des Kindes, bzw. auf die planetare Energie, die es am stärksten vorleben wird. Ist z.B. der Planet Merkur im Horoskop des Kindes besonders stark, sodass das Kind ausgeprägt merkurische Eigenschaften entwickeln wird, würde der Astrologe einen Namen empfehlen, der in sich die Botschaft und Energie der Gelehrsamkeit, der Sprachfähigkeit, der Kunst der Diplomatie oder der Reisefreudigkeit trägt – denn für diese Dinge steht eben der Merkur. Die Auswahl der Namen ist nun recht groß. Für Mädchen eignen sich die Namen wie Gayatri, Saraswati (Göttin der Gelehrsamkeit), Shastra Rupa („die Form des Wissens“), Veda Sara („Die Essenz der Veden“), Mati („Bedachte Philosophin), usw. Für Jungs kämen z.B. die folgende Namen in Frage: Madhava („das Wissen personifiziert), Vedanta-krit, Gyaneshwar („Der Herr des Wissens“), Satyavachana („Derjenige, der nur die Wahrheit spricht“), Vamana (Inkarnation Gottes, die in drei Schritten das ganze Universum bereiste).

Diese Methode wählte der Weise Garga Muni, als er Vasudeva, den Vater von Krishna, in Sache Namenswahl beriet.

Die Bedeutung der Namensvergebung wird auch aus der Tatsache sichtbar, dass der ausgewählte Name nicht sofort dem Kind zugeteilt und der Öffentlichkeit bekannt gegeben wird, sondern an den astrologisch dafür günstigen Tagen und möglichst in Rahmen einer Festlichkeit bzw. einer vedischen Feuerzeremonie (Yajna). Dies ist übrigens die erste von den insgesamt 7 Samskaras oder tiefgreifenden vedischen Zeremonien, die den Menschen vom Anbeginn seines Lebens bis zu seinem Tode, wenn die letzte Zeremonie oder Ritual ausgeführt wird, begleiten.

Generell wird die Namakarana-Zeremonie (Namensgebungszeremonie) an den 10., 12. oder 16. Tag nach der Geburt abgehalten, was der Mutter und dem Kind auch genug Zeit zum Ausruhen und Erholen gibt. Ist es nicht möglich an diese Tage die Zeremonie auszuführen, kann jeder weiterer Tag nach dem 16. gewählt werden. Bei allen Überlegungen sollten weitere astrologische Merkmalen berücksichtigt werden:

  • Die Wochentage Dienstag, Samstag und Sonntag werden für die Ausführung der Zeremonie nicht empfohlen, wobei beim Sonntag Kompromisse möglich sind (soweit andere Voraussetzungen erfüllt)
  • Folgende Fixsterne (Nakshatras) sind günstig: Anuradha, Punarvasu, Magha, Uttaraphalguni, Uttarashadha, Uttarabhadra, Shatabhisha, Swti, Dhanistha, Shravana, Rohini, Ashwini, Mrigashira, Revati, Hasta, Pushy.
  • Die Tithis (Mondtage) 4., 6., 8., 9., 12., 14., Purnima und Amavasya sollten gemieden werden.
  • Lagna (Aszendent) sollte stark sein, in einem möglichst stabilen (sthira) Zeichen platziert
  • Das 8. Haus des Horoskops sollte unbesetzt sein


Warum ich gerade dieses Thema für meinen ersten Blog-Eintrag wähle?

Die vergangene Woche dürfte ich gleich mehrmals als Astrologin bei der Namenswahl helfen. Der Vollmond verhalf zu Geburt gesunder Mädchen. Im Rückblick - bisher wurde ich immer im Fall der Mädchengeburt konsultiert.